Wenn gutes Licht zur Ausnahme wird
Stundenlang am Bildschirm, aber schon mittags schmerzt der Kopf, die Augen brennen – und die Konzentration verabschiedet sich. Was viele nicht wissen: Häufig steckt nicht Stress dahinter, sondern mangelhafte Lichtqualität am Arbeitsplatz.
Blendung, flimmernde Lampen, falsche Lichtfarbe – all das beeinflusst unsere Gesundheit, Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden. Doch das Gute: Diese Probleme lassen sich mit dem richtigen Know-how schnell beheben.
In diesem Beitrag erfährst du:
- Welche Lichtprobleme im Büroalltag besonders häufig auftreten
- Warum Blendung und Flimmern mehr als nur „nervig“ sind
- Wie du mit der richtigen Lichtfarbe, Farbwiedergabe und Leuchtenwahl deine Augen und Nerven schonst
Blendung im Büro erkennen & vermeiden
Nicht jedes helle Licht ist gutes Licht. Besonders am Arbeitsplatz kann falsche Beleuchtung schnell zum Stressfaktor für die Augen werden – oft ohne dass wir es direkt merken. Die Folge: angestrengtes Sehen, Kopfschmerzen, gereizte Stimmung.
Zwei Arten von Blendung, die du kennen solltest
🔸 Direktblendung: Sie entsteht, wenn eine Lichtquelle direkt ins Auge scheint – etwa eine Deckenlampe über dem Kopf oder Sonnenlicht ohne Jalousien. Besonders kritisch: tiefstrahlende Leuchten, die frontal in den Blickbereich ragen.
🔸 Reflexblendung: Hier ist das Licht nicht direkt sichtbar, aber es spiegelt sich – zum Beispiel auf glänzenden Tischplatten, auf dem Smartphone oder am Bildschirm. Besonders im Homeoffice mit improvisierten Arbeitsplätzen ein häufiger Störfaktor.
Typische Alltagssituation:
„Du willst konzentriert arbeiten, aber ständig siehst du dein eigenes Spiegelbild im Monitor – und fragst dich, warum du nichts erkennst.“
Was hilft wirklich?
Die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) empfiehlt für blendfreies Arbeiten:
- Leuchten außerhalb des direkten Sichtfelds anbringen
- Satiniertes oder blendfreies Leuchtendesign verwenden
- Bildschirm parallel zum Fenster ausrichten, nicht frontal
- Licht seitlich auf die Arbeitsfläche fallen lassen
- Entspiegelte Monitore und matte Oberflächen nutzen
Schatten & Flimmern – wenn Licht zur Belastung wird
Nicht nur zu wenig Licht kann belasten – auch schlecht verteiltes oder instabiles Licht bringt Unruhe in den Arbeitsalltag. Zwei typische Problemzonen: störende Schatten und flimmernde Leuchten.

Schatten, die mehr stören als nützen
Ein gewisses Maß an Schattigkeit ist wichtig – es sorgt für Tiefe, Orientierung und Struktur im Raum. Doch wenn der Schatten zu stark oder zu einseitig ist, leidet die Lesbarkeit und das visuelle Komfortgefühl.
Typische Fehlerquellen:
- Licht nur von einer Seite → der eigene Körper wirft Schatten auf die Arbeitsfläche
- Kleine, punktuelle Lichtquellen → harte Schlagschatten ohne räumliches Gefühl
- Keine indirekte Lichtkomponente → unnatürlich flache Ausleuchtung
🛠️ Lösung: Setze auf eine Mischung aus direktem und indirektem Licht, möglichst symmetrisch verteilt. Leuchten mit breitem Abstrahlwinkel helfen, störende Schatten zu vermeiden.
Flimmern – der stille Stressfaktor
Auch wenn man es nicht direkt sieht: Flimmerndes Licht ist für die Augen purer Stress. Besonders ältere Leuchtstoffröhren oder billig verarbeitete LED-Leuchten erzeugen Licht, das in schnellen Impulsen an- und ausgeht – für das Auge kaum sichtbar, aber nervenbelastend.
Mögliche Folgen:
- Brennende oder trockene Augen
- Kopfschmerzen nach kurzer Zeit
- Konzentrationsprobleme, visuelle Ermüdung
🎯 DGUV-Empfehlung: Nutze flimmerfreies Licht – also moderne LED-Leuchten mit stabiler Lichtausgabe, gutem Treiber und ggf. dimmbarer Steuerung.
Die richtige Lichtfarbe & Farbwiedergabe im Büro
Licht ist nicht gleich Licht – erst die Farbtemperatur und Farbwiedergabe machen den Unterschied. Sie bestimmen, wie angenehm das Licht wirkt und ob Farben natürlich aussehen oder „verfälscht“.
Lichtfarbe: Warmweiß oder tageslichtweiß?
Die Farbtemperatur eines Leuchtmittels wird in Kelvin (K) gemessen. Je niedriger der Wert, desto wärmer wirkt das Licht – je höher, desto kühler und sachlicher.
Lichtfarbe | Kelvin-Bereich | Wirkung |
---|---|---|
Warmweiß | < 3.300 K | Gemütlich, entspannend – ideal für Lounge-Bereiche oder Abendstunden |
Neutralweiß | 3.300–5.300 K | Klar und sachlich – perfekt für fokussiertes Arbeiten |
Tageslichtweiß | > 5.300 K | Sehr aktivierend – gut für Vormittage, aber abends oft zu grell |
🎯 Für Büroarbeitsplätze ist neutralweißes bis tageslichtweißes Licht ideal – je nach Tageszeit und persönlichem Empfinden.
Farbwiedergabe: Natürlich sehen, stressfreier arbeiten
Der Farbwiedergabeindex (Ra oder CRI) gibt an, wie realistisch Farben unter einer Lichtquelle erscheinen. Die Skala reicht bis 100 – das entspricht der Qualität von echtem Tageslicht.
Warum ist das wichtig?
- Zu niedrige Werte lassen Hauttöne fahl erscheinen
- Farben von Dokumenten, Textilien oder Grafiken wirken verfälscht
- Das Auge muss sich stärker anstrengen → mehr Ermüdung
✅ Für alle Büroarbeiten empfiehlt die DGUV einen Ra-Wert von mindestens 80 – in designorientierten Berufen gern auch 90 oder mehr.
Fazit: Gutes Licht ist mehr als Helligkeit – es schützt deine Gesundheit
Ob Kopfschmerzen, flimmernde Monitore oder grelle Reflexe – schlechtes Licht macht sich oft erst dann bemerkbar, wenn es bereits stört. Umso wichtiger ist es, Lichtqualität nicht dem Zufall zu überlassen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick:
✅ Blendungen vermeiden – durch gute Leuchtenplatzierung und entspiegelt arbeitende Geräte
✅ Flimmerfreies Licht verwenden – primär bei langen Bildschirmzeiten
✅ Lichtfarbe gezielt wählen – neutralweiß für Konzentration, warmweiß für Entspannung
✅ Gute Farbwiedergabe (Ra ≥ 80) – für angenehmes Sehen ohne visuelle Ermüdung
✅ Indirekte und direkte Lichtquellen kombinieren – für ausgewogene Raumbeleuchtung
Kurz gesagt: Wer mit Licht arbeitet, sollte auch mit gesundem Licht arbeiten. Das schützt nicht nur die Augen, sondern steigert nachweislich Wohlbefinden und Produktivität.
🔜 Im nächsten Teil der Serie erfährst du, wie du mit professioneller Planung und moderner Lichtsteuerung ein ganzheitliches Beleuchtungskonzept fürs Büro entwickelst – für mehr Effizienz, Ergonomie und Atmosphäre.
📊 Vergleich: Gute vs. schlechte Lichtqualität im Büro
Kriterium | Gute Lichtqualität | Schlechte Lichtqualität |
---|---|---|
Blendung | Keine direkte oder reflektierende Lichtquelle im Sichtfeld | Grelle Leuchten, Spiegelungen auf Bildschirm & Tisch |
Flimmern | Flimmerfrei durch hochwertige LED-Technik | Flackern durch alte Röhren oder billige LEDs |
Lichtfarbe (Kelvin) | Neutralweiß (3.300–5.300 K) oder Tageslichtweiß (>5.300 K) | Zu warm oder zu kühl, oft unpassend zur Tätigkeit |
Farbwiedergabe (Ra) | ≥ 80 (idealerweise ≥ 90) | < 80, verfälschte Farben, müdes Sehen |
Schattenbildung | Gleichmäßige, weiche Lichtverteilung | Harte Schatten durch einseitige Beleuchtung |
Ergonomischer Effekt | Augenfreundlich, konzentrationsfördernd | Belastend, ermüdend, unnatürlich |
📋 Checkliste: Gesundes Licht am Arbeitsplatz
✅ Blendfreie Leuchten mit seitlicher Lichtausrichtung verwenden
✅ Lichtquellen nicht direkt im Sichtfeld positionieren
✅ Bildschirm immer parallel zum Fenster ausrichten
✅ Entspiegelte Monitore und matte Tischoberflächen bevorzugen
✅ Flimmerfreies Licht nutzen (hochwertige LEDs mit gutem Treiber)
✅ Farbtemperatur je nach Tätigkeit wählen:
- Warmweiß für Pausenbereiche
- Neutralweiß/Tageslichtweiß für konzentriertes Arbeiten ✅ Farbwiedergabeindex (Ra) prüfen – ideal: ≥ 80 ✅ Kombination aus direkter & indirekter Beleuchtung einrichten